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LAB°VISION – Aktuelle Perspektiven
Gedanken, Beobachtungen und Impulse zu Künstlicher Intelligenz, Lernen, Wissen und Beschäftigung.
Im Lab°LERNSTEINE® greifen wir Entwicklungen und wissenschaftliche Positionen auf, ordnen sie ein und verbinden sie mit unseren eigenen Forschungsfragen und Erfahrungen aus der Praxis.
PERSPEKTIVE · KI & ARBEIT
Von der Sehnsucht zu herrschen oder, die subtilen Vehikel der Macht

Macht zeigt sich nicht nur in offenen Entscheidungen, Weisungen oder formalen Hierarchien. Sie kann auch in technischen Systemen, Verwaltungsverfahren, Standards, Software, Regelwerken und organisatorischen Abläufen verankert sein. In solchen Strukturen wird Macht nicht unbedingt sichtbar ausgeübt.
Die Turing-Falle: Warum gute KI den Menschen nicht ersetzen wird

Künstliche Intelligenz wird oft daran gemessen, wie gut sie menschliche Arbeit ersetzen kann. Doch vielleicht ist genau das die falsche Perspektive. Ein Blick auf Erik Brynjolfssons „Turing Trap“ und die Frage, warum Augmentation wichtiger sein könnte als reine Automatisierung.

Die Theorie der langen Wellen wirtschaftlicher Entwicklung (Kondratieffzyklen) ist einschlägigen Studien zufolge in Intervallen von 45-60 Jahren seit 1780 vier mal aufgetreten In dieser Theorie wird die These vertreten, dass langfristiger fundamentaler wirtschaftlicher Wandel nicht zufällig verläuft, sondern sich in den großen Industrienationen durch regelmäßige Auf- und Abschwungbewegungen beschreiben läßt. Nach Schumpeter (1961) wird der Anstieg jeder Welle durch verstärkt auftretende Basisinnovationen ausgelöst, d.h. während einer Phase wirtschaftlicher Depression werden Erfindungen in Innovationen umgesetzt, die schneeballartig diffundieren und neue Innovationen auslösen, wodurch es zu grundlegenden Veränderungen in ökonomischen und gesellschaftlichen Bereichen kommt. Diese Basisinnovationen tragen schließlich einen nachhaltigen Aufschwung der wirtschaftlichen Entwicklung.
Als Basisinnovation im (nahezu) gegenwärtigen Zyklus, dem 5. Kondratieff (ca. 1980-2025), steht die Erfindung der Mikroelektronik, sie begründete das enorme Potential der Informations- und Kommunikationstechnologie. Der durch sie ausgelöste Strukturwandel veränderte bedeutend das gesellschaftliche Leben und führte zu starken Veränderungen im Hinblick auf Produktvielfalt, Handlungsformen und Kommunikationsverhalten in Wirtschaft, Staat und privaten Haushalten.
Ist künstliche Intelligenz der Auslöser für die neue jetzt bevorstehende Welle: Dem 6. Kondratieff?
Zur Beschreibung des Wandels bieten Beobachtungen von Bildungs- und Beschäftigungssystemen oft eine gute Grundlage. So konnte unter Rückgriff auf Jánossys (1966) Thesen über die Verbindung von Berufsstruktur und Arbeitsplatzstruktur im Prozess des technischen Fortschritts aufgezeigt werden, dass auf lange Sicht das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung von der Wandlungsgeschwindigkeit der Berufsstruktur determiniert wird. Der 5. Kondratieff ist aus dieser Perspektive, d.h. welche Veränderungen sich bei den Qualifikationen der Erwerbstätigen und den Tätigkeitsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt ergeben haben, genauer in den Blick genommen worden. Grundsätzlich konnte seinerzeit, fußend auf der Prognose von Tessaring (1994), ein Anstieg des Qualifikations- und Tätigkeitsniveaus bis über das Jahr 2010 bestätigt werden.
Aber welche Funktionen haben Schule und Bildung in diesem Szenario? Kann Schule aus ihrer Qualifikations-, Selektions- und Legitimationsfunktion heraustreten und sich proaktiv den genannten Veränderungen stellen? Die duale Berufsausbildung ist eine wichtige Schnittstelle von Bildung und Beschäftigung – ist sie doch am Puls des Struktur- und Qualifikationswandels.
Abschließend ergeben die Beobachtungen zum 5. Kondratieff, dass nur ein hohes und fundiertes gesellschaftliches Qualifikationsniveau genug Flexibilität gewährleistet, um so den in Bildung und Beschäftigung erheblichen Veränderungen erfolgreich zu begegnen.
